Wie kauft man die perfekte Ware ein?

Welche Waren bestellt werden, muss gut überlegt werden. Bereits vor Corona kosten Ladenhüter oder unverkaufte Lagerbestände die Einzelhändler viel Geld, Platz und nicht zuletzt auch Nerven. Kann man das vermeiden? Ganz wahrscheinlich nicht, aber unser Tool OnSight Analytics hilft gern, es auf ein Minimum zu reduzieren. Damit es immer optimaler weiterentwickelt wird, tauschen wir uns regelmäßig mit Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen aus. Diesmal mit Sandra Repking, eine Alllrounder-Expertin was Einkauf betrifft. Sie erzählt wie die Marktanalyse ursprünglich aussah, wie ein Tool helfen kann und gibt Tipps für die Anwendung.

Liebe Sandra, du warst viele Jahre im Einkauf tätig und bist heute Beraterin für Unternehmen in der Modebranche. Erzähl uns doch ein bisschen über deinen Werdegang. 

 

Sandra Repking: Ich bin sozusagen von Kindesbeinen an in der Branche, da ich schon in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen bin. Meine Eltern kommen aus dem Modehandel, so habe ich mich bereits zum Abitur auf den Bereich Wirtschaft spezialisiert. Danach habe ich direkt eine klassische Ausbildung im Einzelhandel gemacht. Nach dem Textilwirtschaft-Studium bin ich in zahlreichen Unternehmen tätig gewesen. Ich war im Discount-Bereich, im Luxus-Bereich, im mittleren modischen Bereich, ich habe Multi-Channel gemacht, Video-Shopping, klassischen Versandhandel, klassischen Stationärhandel, Markenindustrie, Produktion… Ich habe unzählige Kollektionen entwickelt, produzieren lassen und vermarktet. So habe ich einen echten Rundumblick bekommen.

 

2007 habe ich dann den Schritt in die Selbständigkeit gemacht. Mittlerweile berate ich die unterschiedlichsten Unternehmen in der Mode-Lifestyle-Branche. Meine Hauptthemen sind Strategie, Sortimentsoptimierung, Markenbildung.

Was hat dich am Bereich Einkauf so begeistert, dass du dich darauf spezialisiert hast?

 

Was mich am Einkauf begeistert, ist die Vielfältigkeit, der gesamte Mix. Einkauf funktioniert nie allein: nicht ohne Vertrieb, nicht ohne Marketing. Ich muss mich mit dem Kunden ganz genau auseinandersetzen, um gut im Einkauf zu sein und die richtigen Produkte für ihn zu finden. Es hat viel mit Kommunikation zu tun, mit Lieferanten, mit Vertriebskollegen. Ich muss ja viele Menschen von meiner Idee überzeugen.

 

Dann gehört dazu auch, dass ich rechnen können muss. Wirtschaftlich muss alles schließlich auch Hand und Fuß haben. Die Arbeit im Einkauf ist also kreativ, abwechslungsreich, sie ist international, organisatorisch etc. Es ist Category-Management. Mehr Abwechslung geht fast nicht. Da ist ja alles drin – und das begeistert mich daran. 

 

Wie bleibt man bei Trends stets up to date und hat rechtzeitig die richtigen Produkte geordert?

 

Das Wichtigste ist, sich Informationen zu beschaffen. Das ist heutzutage nicht schwierig, denn es gibt viele Informationen. Das heißt, ich muss aussortieren können, welche Informationen wirklich relevant und hilfreich sind, und was einfach nur Informationsmüll ist. Ich glaube, so eine richtige, allgemeingültige Formel, um bei Trends up to date zu bleiben, gibt es gar nicht.

 

Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, ein Gespür dafür zu haben, welcher Trend jetzt für meinen Kunden relevant ist. Ich muss mir überlegen, wie ich diesen Trend für meine Kunden interpretieren muss. Deshalb ist es das Wichtigste, seine Kunden zu kennen. Danach kommt erst der Trend. 

In der heutigen schnellen Online-Welt: Wie flexibel ist der Einkauf tatsächlich? Wie schnell kann man auf Veränderungen im Markt wie zum Beispiel durch Corona reagieren?

 

Der Einkauf ist eingebunden in ein System. Dadurch ist auch nicht bei jedem Unternehmen der Einkaufsbereich gleich. Alles hängt natürlich ab von Produktionszeiten, von Abläufen im Unternehmen: Wie schnell kriege ich neue Produkte und Kollektionen entwickelt, wie schnell wird das umgesetzt, wie lang dauert es, bis mein Verkauf alles präsent hat? Außerdem hängt es auch von Rohstoffen und noch einigen weiteren Komponenten ab. 

 

Corona ist da ein besonders schwieriges Thema, da es kein regionales, sondern ein globales Thema ist. Selbst wenn ich selbst einen Plan hätte, bliebe immer noch das Problem, dass meine Produzenten, Lieferketten, Transportwege etc. ja auch davon betroffen sind. Diese Pandemie ist eine riesen Herausforderung. Aber natürlich gibt es Lieferanten, die sehr schnell umsetzen.

 

Ich glaube, egal ob Pandemie oder was uns da auch immer begegnet an Herausforderungen, es geht in erster Linie um das, was meinen Kunden bewegt. Da wiederhole ich mich jetzt vielleicht, aber man muss ein Gespür für seine Kunden und seine Wünsche und Bedürfnisse haben. Beispiel: Wenn jetzt alle im Homeoffice sind, dann ist klar, dass ich in meiner Kollektion nicht so viele hohe Schuhe brauche, oder dass Abendkleider möglicherweise nicht so gut laufen werden. Wenn die Leute alle vorm Computer sitzen, sieht man nicht unbedingt, was sie untenrum anhaben. Da weiß ich, dass sie wohl eher bequeme Schuhe und eventuell Jogginghosen tragen. Einkauf und Sortimentserstellung bedeutet: Ich muss mich in die Menschen hineinversetzen. Insofern muss ich immer, immer, immer beobachten.