Wie gelingt Mehrsprachigkeit bei Picalike?

Beitragsbild Mehrsprachigkeit
Maik vorm Logo

Seit fast einem Jahr spielt Mehrsprachigkeit bei Picalike eine große Rolle: Ein deutschsprachiges Team hier in Deutschland, ein portugiesischsprachiges Team in Brasilien und als Common Ground ist die Firmensprache in den gemeinsamen Meetings Englisch. Drei Sprachen in einem Unternehmen – wie funktioniert das? 

 

Ich habe mal bei unserem Projektmanager Maik Kade, der Schnittstelle zwischen den Teams, nachgefragt! Spoileralarm: Er hat jahrelang im interkulturellen Bereich gearbeitet, das erkennt man sofort an seinen Antworten! 

Lieber Maik, du selbst sprichst Deutsch als Muttersprache und sowohl Englisch wie auch Portugiesisch auf sehr hohem Niveau. Allerdings tun das nicht alle bei Picalike. Magst du uns etwas genauer erklären, wie die Kommunikation zwischen den Entwickler-Teams abläuft?

Die Kommunikation läuft derzeit in drei Sprachen ab: Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Hier müssen aber unterschiedliche Kommunikationssituationen unterschieden werden:

  • Unternehmensweite schriftliche Dokumentationen z.B. von Aufgaben, technischen Details, Problemen und ähnlichem. Also alles was jetzt oder in der Zukunft von einer beliebigen Person gelesen werden könnte und arbeitsrelevante Informationen enthält. Dies geschieht alles auf Englisch. 
  • Schriftliche Kommunikation im Chat-Kanal, der bei uns Slack ist. Sofern der Verlauf der Kommunikation nur für die miteinander schreibenden Personen relevant ist und sofern alle im Channel vorhandenen Personen auch diese Sprache auf einem hohen Kompetenzniveau (B2 oder mehr) verwenden können, dürfen die Beteiligten selbst über die verwendete Sprache entscheiden. Ansonsten ist es Englisch.
  • Meetings und reale mündliche Kommunikation verlaufen genauso wie schriftliche Chat-Kommunikation. Englisch ist Default, außer alle Anwesenden beherrschen Deutsch oder Portugiesisch auf einem hohen Kompetenzniveau.

Was gibt es sonst noch für Momente, in denen eine Sprache gewählt werden muss? Und wie wird da gewählt?

Zu den bereits genannten Kommunikationsbeispielen gibt es auch noch einige Sondermöglichkeiten, deren Verwendung ich bei uns fördere, sofern es die Situation hergibt.

  • In bestimmten Situationen (meist der mündlichen Kommunikation) kann rein über die rezeptiven Kompetenzen gearbeitet werden. Sprachwissenschaftlich erwiesen und ich denke für jeden Fremdsprachenlerner leicht nachvollziehbar ist, dass meine Verstehenskompetenz (Lesen/Hören) mündlich und schriftlich immer höher ist, als meine performante (Schreiben/Sprechen). Daher gibt es manchmal Situationen, in denen bei uns Personen in ihrer stärksten performanten Sprache agieren dürfen, wenn die Verstehenskompetenzen der Gesprächspartner hoch genug sind, um einem “Muttersprachler” folgen zu können. Dadurch können Defizite in den Kompetenzen ausgeglichen werden. Mit einem Fallbeispiel wird es deutlicher: Person A spricht sehr gut Deutsch, versteht gut Englisch und gut Portugiesisch. Person B spricht sehr gut Portugiesich, versteht gut Deutsch und wenig Englisch. Die bestmögliche Kommunikation wäre dann, dass A Deutsch spricht und B Portugiesisch. Und nicht das, was sich oft in der Realität wiederfindet. Beide sprechen Englisch miteinander, aber haben enorme Verständigungsprobleme.
Mehrsprachigkeit Picalike


  • Wenn es mal besonders schwierig mit dem Miteinander-Verstehen wird, oder ein Thema sehr sensibel ist, dann gibt es bei uns im Unternehmen mehrere Personen, die alle drei Sprachen auf hohem Niveau beherrschen und jederzeit als Mediator / Übersetzer angefragt werden dürfen. Ich selbst zähle auch dazu, was dem Team sehr hilft.

Die Mitarbeiter beherrschen Englisch in den unterschiedlichsten Levels. Wie passt das zusammen?

Generell stellt die gemeinsame Kommunikation in einer Nicht-Muttersprache eine große Herausforderung dar, die insbesondere im Falle des Englischen viel zu oft unterschätzt wird. Denn heute spricht ja jeder Englisch… oder?

Erst mal ist das immer noch ein Trugschluss, denn gerade in vielen nicht europäischen Ländern nimmt Englisch nicht automatisch eine wichtige Rolle in der Bildung ein, bzw. die Bildungsqualität kann schlicht auch ungenügend sein. Brasilien zählt tatsächlich zu dem letzteren Fall und ein “gutes” Englisch ist mehr die Ausnahme als die Regel. Und selbst in Europa spricht nicht jeder Mensch gleich gut Englisch.

 

Wenn nun Menschen eine Sprache auf unterschiedlichen Kompetenzniveaus sprechen, dann gibt es für mich drei Stadien in der Kommunikationsfähigkeit.

  • Die Differenz in der Sprachkompetenz ist so groß, dass eine Aufgaben- und problemlösungsorientierte effiziente Kommunikation schlicht nicht möglich ist.
  • Die Differenz ist klein genug, um Aufgaben/ Probleme gemeinsam bearbeiten zu können. Aber immer noch groß genug, als dass die sprachkompetentere Person bedingt durch ihre sprachliche Kompetenz oftmals besser argumentieren kann, als der/die andere und dementsprechend einen Durchsetzungsvorteil hat, der nicht auf Fachwissen beruht.
  • Die Differenz ist marginal und Fall 1 und 2 treten nicht ein. Ab jetzt zählen nur noch rein die Persönlichkeit und das Fachwissen. Und wir alle wissen, dass selbst das noch nicht immer ganz einfach ist.

Bei uns im Unternehmen existieren alle 3 Situationen und wir versuchen durch die in der vorherigen Frage genannten Möglichkeiten die Kompetenz-Diskrepanzen zu kompensieren. Aber es bedeutet immer, das Kommunikation mehr Zeit einnimmt und einen sensibleren Umgang erfordert, als wenn nur Situation 3 vorherrscht. Leider muss ich hier noch einmal betonen, dass insbesondere Situation 2 hinsichtlich der globalen Kommunikation auf Englisch in der Welt viel zu oft von Unternehmen unterschätzt wird.

Sprache ist auch ein Teil der Kultur. Merkt man das auch in der Kommunikation innerhalb des Unternehmens? Geht manchmal auch etwas Witz verloren?

Wenn damit kultur/ sprachspezifischer Humor gemeint ist, dann passiert das sicherlich manchmal, wobei bei uns im Unternehmen wirklich alle darum bemüht sind, solche Dinge dann direkt auch zu übersetzen, und versuchen, die kulturbedingte Besonderheit einer Situation, eines Wortspiels oder Scherzes den anderen nahezubringen. Ich finde das toll, denn es fördert zumindest schon mal Teile der interkulturellen Kompetenz unseres internationalen Teams.

Es wäre aber in der Tat schlimm, wenn diese gegenseitige Aufklärung nicht stattfinden würde. Das kann sehr schnell zu Grüppchenbildung nach Sprache und im schlimmsten Fall zur Ausgrenzung / Diskriminierung von Personen oder Kulturgruppen führen. Ich finde,  jedes Unternehmen, das auf international gemischte Teams setzt, muss darauf achten, dass es qualifizierte Mitarbeiter gibt, die die gemeinsame Kommunikation im Unternehmen monitoren und schulen.

Welche Vorteile hat das Unternehmen durch die Mehrsprachigkeit innerhalb des Teams?

Aus Unternehmenssicht kann der Mehraufwand an Kommunikations-Monitoring und Schulung, sowie generell teilweise längere Kommunikationsdauer abschreckend wirken. Aber die Interkulturalität kann auch erhebliche Vorteile bringen.

  • Als Erstes fällt da immer der Begriff der Synergie. Also die Kombination von einzelnen Personen/ Teams, die mehr als einen rein additiven Mehrwert darstellt. Das wird ermöglicht durch das Zusammenarbeiten von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Denn das bedeutet ja auch immer: Unterschiedliche Blickweisen auf Aufgaben und Probleme, unterschiedliche Arbeitsmethodik und dementsprechend ein größeres Potenzial an Lösungen und Fortschritt im Unternehmen.
  • Und dann ist da ja auch noch die ständige Suche nach passendem Fachpersonal oder überhaupt nach Personal. Wenn ich mich nicht nur auf ein Land beschränken muss, dann habe ich mehr Auswahl, oder in manchen Fällen ja auch überhaupt Auswahl.
  • Zu guter Letzt fühlen sich unsere Mitarbeiter gerade deshalb in einem internationalem Unternehmen wohl, weil sie die Chance haben, mit Personen aus anderen Kulturkreisen zusammenzuarbeiten und von diesem Austausch auch persönlich zu profitieren. Das kann ein Team zusammenschweißen und Mitarbeiter binden.

Was würdest du einem Unternehmen raten, das gerade Mehrsprachigkeit einführt?

Erstens: Sich vorher mit den Herausforderungen von Mehrsprachigkeit auseinanderzusetzen und sich auch eigene fehlende Expertise einzugestehen und nicht einfach nur zu denken: “Wird schon klappen, können ja alle Englisch.” Im Bereich Sprache glaubt leider jeder recht schnell mitreden zu können, aber de facto sind geschultes Personal und Vorbereitung auf die Herausforderung der Schlüssel zum Erfolg.

Zweitens: Sich darüber im Klaren zu sein, dass mehrsprachige Kommunikation miteinander ein Mehr an Zeitaufwand bedeutet und es am Anfang sicherlich erst einmal die Produktivität von Teams reduzieren wird, bevor die gewünschten Synergien eintreten werden.

Drittens: Sich im europäischen Raum mit dem GER (Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen) zumindest im Feld der Niveaustufen auszukennen, sowie bei den geläufigen Prüfungen wie B2 für den Beruf, C1 usw. Die immer noch oftmals verwendeten Begriffe “Verhandlungssicher, flüssig, muttersprachlich” sind zu vage und schlecht messbar.

Die Niveaustufen nach dem GER sind das schon und beschreiben sehr genau, was jemand kann. Sie greifen für alle in der EU gesprochenen Sprachen. Das hilft bei Bewerbern und dem Einschätzen der sprachlichen Kompatibilität von bereits bestehenden Teams.

Viertens: Mitarbeiter zu unterstützen, Fremdsprachenkenntnisse auszubauen. Es gibt so viele Möglichkeiten: Firmenkurse, finanzielle Unterstützung bei Sprachkursbesuchen, Sprachaustausch (Tandem-Konzept) in der Firma fördern. Und es gibt noch so viel mehr!

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten! 

Falls ihr noch weitere Fragen an ihn habt, zögert nicht, uns zu schreiben. Oder stöbert auf unserem Blog – zum Beispiel unter “Inside Picalike”.

1 Jahr Projektmanager bei Picalike

Projektmanager

Vor etwas über einem Jahr entschied das picalike-Team, dass es gern einen Projektmanager hätte. Seitdem ist viel geschehen: innere Umstrukturierungen, spontaner Wechsel zu 90 Prozent mobiles Arbeiten bedingt durch Corona, Umzug in das betahaus Hamburg. Da ist es spannend mal zu hören, wie diese herausfordernde Zeit für Maik Kade war.

Projektmanager

Hey Maik, puh, wie die Zeit fliegt! Nun bist du schon ein Jahr Projektmanager bei uns. Was war dein schönstes Erlebnis in dieser Zeit?

Ein Jahr geht wirklich schnell rum. Ein einziges, schönstes Erlebnis ist für mich schwer zu finden. Aus professioneller Sicht sicherlich, dass mir bereits nach 3 Monaten vom C.E.O. Sebastian gesagt wurde, dass er es mittlerweile fast bereut hat, mich nicht schon einige Zeit vorher als Projektmanager an Bord geholt zu haben. Für mich als Quereinsteiger war das sehr beruhigend, da ich somit die Bestätigung hatte, mich in mein neues Aufgabenfeld gut eingefunden zu haben und dass es etwas ist, das ich kann. Insgesamt aber ist es eher so, dass ich mich jeden Tag freue, Teil der picalike-Familie zu sein.

Seit deinem Anfang hier hat sich so einiges verändert. Über welche Veränderung/Neuerung freust du dich besonders?

Besonders freue ich mich darüber, dass wir es gemeinsam geschafft haben, ein sehr agiles Framework für unser Entwicklungsteam aufzubauen, welches Hand in Hand in Zusammenarbeit mit allen anderen Beteiligten funktioniert. Der agile Gedanke war sicherlich schon immer ein Teil von picalike, aber wir haben es im letzten Jahr geschafft, diesen verborgenen Rohdiamanten aus unserem Boden hervorzuholen und ihm den richtigen Schliff zu verpassen. 

Hauptsächlich koordinierst du die Entwickler-Teams. Was sind da die größten Herausforderungen? Und wie meistert man sie?

Also für mich war die größte Hürde, dass ich Sprachwissenschaftler und ehemaliger Dozent bin und eben die technische Seite, das Know-how eines Entwicklungsteams, etwas war und manchmal noch ist, von dem ich wenig Ahnung habe. Wie meistert man es, einem Team bei der Projektbewältigung beiseite zu stehen, wenn man selbst auf der technischen Ebene gar nicht mitreden kann? Indem man tief durchatmet und sich bewusst macht, dass so ein tiefes Wissen gar nicht nötig für meine Aufgabe ist, auch wenn mir das immer wieder mal persönlich nicht gefällt, da ich gern alles verstehen würde. Aber darum geht es bei meiner Tätigkeit als Projektmanager eben nicht.

Ich verstehe mich als die sinnbildliche Schmiere im Getriebe. Wenn alles gut läuft, werde ich fast gar nicht bemerkt. Aber um alles immer gut am Laufen zu halten, da ist es wichtig, dass jeder weiß, was der/die andere macht, kann, und wo vielleicht auch Hilfe benötigt wird. Also geht es um Kommunikation. 

Ich ermögliche und fördere Kommunikation. Ich habe immer für jeden ein offenes Ohr, auch für private Belange. Mitarbeiter sind Menschen und keine Maschinen. Ich bin in fast allen Planungsgesprächen dabei: oft als Moderator, manchmal als Mediator, und immer wieder gerne als die Person im Unternehmen, die z.B. bei Commit Meetings die “dummen” Fragen stellen darf. Eben die Fragen, die ein Spezialist manchmal nicht fragt, aber die doch Probleme und Lösungen aufzeigen können. Mein Unwissen zwingt das Team gelegentlich zu einem Perspektivwechsel. 

Desweiteren sind Wissensaustausch und Dokumentation zwei Teilgebiete der Kommunikation, die elementar sind für ein Entwicklungsteam. Bei uns wird Wissen und Dokumentation nicht einzeln gehortet, sondern als kollektiver Schatz, der gemeinsam zusammengetragen werden muss. Das muss aber organisiert werden, soll nicht langweilig und vor allem nicht zeitraubend sein. Da bin ich als Didakt dann doch sehr gefordert, wie man das am besten hinbekommt. 

Nach deinen ersten Monaten ging es mit der Corona-Pandemie in Deutschland los, eine sehr herausfordernde Zeit für Projektmanager… Wie wurde da mit dem Übergang zum Home Office umgegangen?

Überraschenderweise war das bei uns weniger herausfordernd, als wir alle angenommen hatten. Vor Beginn der Pandemie gab es bei uns nur eine sehr sanfte Fassung von Remote-Arbeiten. Es gab manche, die einen Tag die Woche oder alle zwei Wochen remote gearbeitet haben. Ansonsten waren wir aber immer im Büro. Da wir allerdings seit Anfang des Jahres auf der Suche nach einem neuen Standort waren, gab es schon immer mal wieder leichte Überlegungen mehr remote zu arbeiten. 

Als die Pandemie Ausbrach, hat Sebastian, unser Geschäftsführer, uns offen gefragt, wie wir mit der Situation umgehen wollten. Alle waren für mobiles Arbeiten, zumindest erst einmal. Die Grundvoraussetzungen waren da: Jeder Mitarbeiter hatte bereits einen Laptop und Zubehör. Es wurde nur geklärt, ob jemand etwas spezielles noch für das Home Office brauchte, wie z.B. Bürostühle. Wir sind ein kleines, sehr dynamisches Team, das allein schon durch die Natur unserer Produkte auf ein ständiges Anpassen an veränderte Situationen gewohnt ist. 

Ich denke, wir können uns zu den wenigen Glücklichen schätzen, deren Arbeitsalltag durch die Pandemie vielleicht sogar besser geworden ist und die auch nach deren Ende vermutlich nicht mehr in den alten Arbeitsalltag zurückkehren wollen und werden. Das ist ein ziemliches Privileg, für das ich mehr als dankbar bin.  

Vielen Dank für das Gespräch und dein stets offenes Ohr. Ich wünsche dir weiterhin sehr viel Spaß an der Arbeit hier bei Picalike!